Hans-Jürgen Kubik
Hundeführer. Züchter & Eigentümer
Kinski ist aus unserer eigenen Zucht. Er entstammt der Verbindung Sid von Haus Pixner mit Cora von der Berger Hochburg, die meine Frau Ursula zweimal auf der BSP geführt hat.
An dem Tag, als der Wurf geboren wurde, haben mir meine Frau und meine Tochter schon prophezeit, dass dieser Welpe meiner würde, weil er so grimmig dreingeschaut hatte. Ich hab das damals nur lachend zur Kenntnis genommen, aber in den nächsten Wochen der Aufzucht war es eben genau dieser Welpe, der immer in meiner Nähe war und hinter mir stand. Irgendwie hat sich die Frage, welchen Welpen ich wähle, nicht mehr gestellt, sondern war von Kinski beantwortet worden.
Das Grundwesen von Kinski ist sehr ausgeglichen und sozial. Er hat eine enorme Selbstsicherheit und Nervenstärke, die ihn in allen Lebenslagen gelassen bleiben lässt. Schon in der Aufzucht habe ich ihn fast immer ohne Leine mitgenommen, damit er seine Umwelt eigenständig erlebt und daran wächst. Das Ergebnis ist ein stressfreier Hund, auch auf Veranstaltungen und Ausflügen. Dies ist auch dadurch bedingt, dass er noch nie Probleme bei der Begegnung mit anderen Hunden hatte. Aggressive Zeitgenossen ignoriert er oder aber sie werden kurz fixiert, um die Position zu klären Bei der Welpenaufzucht ist Kinski auch immer dabei und ich glaube, er genießt es.
Das Thema Dominanz ist sicher aus verschiedenen Blickwinkeln zu sehen Kinski strebt immer eine dominierende Position an. Da ich dies schon sehr früh erkannte, habe ich an meiner Position schon vom Welpenalter an keinen Zweifel gelassen, so dass Kinski sich mir gegenüber nie offen aggressiv gezeigt hat. Im Rudel bestimme daher Immer noch Ich. Auch wenn unsere alte Hündin ebenfalls eine herausragende Stellung einnimmt.
Heutzutage definieren wir das Verhalten eines Hundes im Schutzdienst in Beute- /Jagdverhalten und Aggression. Bei Kinski war das Mischungsverhältnis Beute/Aggression bis ca 3 Jahre bei etwa 70%-30%. Danach hat sich das Verhältnis zu 50-50% verschoben.
Ein Beispiel: das Herausrufen aus dem Versteck wollte ich verbessern, indem ich ihm einen Ball bzw Beißkissen anbot, doch er hat die Beute nicht angenommen, noch nicht einmal beachtet. Er empfand es eher als Störung und suchte sofort wieder die Auseinandersetzung mit dem Helfer. Also überwiegt hier wohl nicht das Beuteverhalten. Ich sehe hier die Befriedigung des Kampftriebes als Ziel des Hundes. Die Beurteilung des Aggressionsbereichs im Schutzdienst überlasse ich den Helfern, die Kinski auf vielen Prüfungen gearbeitet haben
Das Thema Führigkeit ist wohl eine unendliche Geschichte. Dabei muss ich aber die Bereiche Unterordnung und Schutzdienst sowie das Leben in der Familie trennen. In der Familie ist er unproblematisch, denn, wie alle unsere Hunde, erhofft er sich immer etwas Besonderes aus der Küche. Dafür machen Hunde fast alles.
Im Schutzdienst habe ich mit 7 Monaten angefangen, Unterordnung abzuverlangen, während andere Hunde Schutzdienst machten. Bis Heute ist das Thema nicht wirklich entschieden. Mit der harten Ausbildung bin ich nicht weit gekommen, denn der Hund wurde nur stumpfer in seinen Empfindungen. Erst als ich die „moderne Ausbildung mit der sofortigen Bestätigung“ versuchte, wur-de die Führigkeit im Schutzdienst besser.
Das immer optimale Griffverhalten bei Kinski ist wohl genetisch bedingt, denn auch alle seine Geschwister haben diese schönen Griffe. Sid vom Haus Pixner hat unsere Zucht in diesem Bereich sicherlich positiv beeinflusst. Kinskis Angriffswucht ist durch viele Leistungsrichter auf vielen verschiedenen Veranstaltungen hervorgehoben worden und auch die Helfer bescheinigen mir dies. Er gibt da immer alles.
In der Unterordnung ist er sehr schön zu führen. da er für mich alles tun würde. Lediglich bei der Arbeit mit Triebhilfen wird es sehr schnell anstrengend, da die Aufmerksamkeit und Konzentration auf mich und die Übung verloren geht. Seine Arbeitsbereitschaft in der Unterordnung ist ständig vorhanden. Die dazu nötigen Faktoren wie Temperament, Jagd-/Beutetrieb und eine klare Rangordnung sind jederzeit abrufbar. wenn auch nicht immer in der gewünschten Mischung.
Die Triebbeständigkeit zu beurteilen heißt für mich: wie lange kann der Hund eine geforderte Arbeit ohne Motivationsverlust leisten- Ein kleines Beispiel hierfür ist die LGA Westfalen 2011. Es waren 35 Grad Celsius und das triebliche Jodeln bei den letzten Übungen wurde noch bemerkt und auch beurteilt.
Das Thema Grundschnelligkeit hängt für mich von zwei Faktoren ab. „Das Wollen und die anatomische Möglichkeit“ . Das Wollen ist bei Kinski immer da. allerdings würde er mit einem etwas kleineren Rahmen noch wendiger und schneller aussehen.
Das Thema Nasen Veranlagung ist nach der BSP 2011 nicht gerade mein liebstes Thema. Hier möchte ich mich auch einmal für die vielen Schulterklopfer bedanken (mit Bedauern, Anteilnahme und Schmunzeln). Aber natürlich kann Kinski suchen, er hatte vom Fährtenverlauf nie Probleme und arbeitet sicher auf allen Untergründen. Das nur gute Ergebnis auf der BSP hat einen Ausbildungsfehler als Ursache und nicht sein Wollen oder Können. Er hat sich an den Gegenständen aufgesetzt, war dann in der Unterordnungsphase und kam dann nur mit Hilfe wieder in den Fährtenmodus.
Ich denke, dass für alle Sparten eine geklärte Rangordnung von Nöten ist. Ansonsten bediene ich mich zur Motivation des Jagd-/Beuteverhaltens in Form von Futter und Spielzeug. Bei der Konfrontation mit dem Helfer brauche ich nicht zu motivieren, sondern nur zu kontrollieren. Hier ist aber absolute Konsequenz und Selbstschulung hilfreich.
Die Frage, welche Probleme es in der Ausbildung gab, möchte ich wie folgt beantworten: Probleme in der Ausbildung sind eigentlich keine Probleme sondern Aufgaben, die der Hundeführer lösen muss. Bei Kinski und mir war es das „Schräggehen“ und die Sitzübung. Das „Schräggehen“ konnte ich beheben, indem ich die Belohnung nicht mehr bei mir trug. sondern nach außen gelegt habe. Dadurch nahm das „Treiben“ ab und heute geht er meistens gerade. Bei der Sitzübung mußte ich einsehen, dass seine Verweigerung zu viel Trieb bzw. zu viel Druck als Ursache hatte. Nachdem ich mich überwunden hatte, benutzte ich den Klicker und ein wenig Futter und baute die Übung neu auf. Seitdem macht er diese Übung zu 90% sicher und schnell. Im Schutzdienst ist die Führigkeit des Hundes eine große Aufgabe, an der ich mit Korrekturen, Selbstschulung und sehr viel Konsequenz ständig arbeiten muss, und in der Fährte überholt Kinski manchmal der Trieb, welchen ich mit vielen Fährten und mit vielen Belohnungen regulieren kann. Der Weg ist hier das Ziel.
Die Frage nach seiner Belastbarkeit kann durch das Leistungsheft und die Tatsache beantwortet werden, dass Kinski nun schon 5 Jahre von mir geführt wird. Wir haben immer noch Spaß zusammen.
Auch die Gesundheit wird durch die Leistung belegt. Er hat HD/ED normal und war bis heute nicht beim Tierarzt. Einmal hatte er sich beim Schutzdienst das Brustbein geprellt, dies war aber nach vier Wochen Pause ausgeräumt. Und damit es so bleibt lasse ich ihn im Winter ausspannen, denn ich bin davon überzeugt, dass das Training bei kaltem und nassem Wetter ohne Vorsorge schädlich für die Gesundheit ist. Im Winter fahren wir ein wenig Fahrrad oder ich lasse ihn einfach mal Hund sein.
Kinski selbst ist in der Leistungsveranlagung als eine Mischung von Sid von Haus Pixner und Aron vom Bracheler See anzusehen. Die Gelassenheit von Sid im normalen Umgang und die „blauen Augen“ von Aron kann man im Schutzdienst sehen. Vom äußeren Erscheinungsbild ist er sicher auch sehr vatertypisch und ich würde ihn wie folgt beschreiben: Groß, leicht gestreckt mit guter Knochenkraft und passendem Kopf. Das Schauergebnis SG würde ich als zutreffend bezeichnen. Sein Pigment ist sehr gut mit einem schönen Rotanteil. Er hat für mich eine edle Ausstrahlung.
Im Jahr 2011 wurde Kinski mehr als Deckpartner eingesetzt. Das Decken selbst ist sehr zielstrebig und die gefallenen Würfe sind eher groß mit einem Überhang an Rüden. Natürlich ist das nicht nur meinem Hund zuzuschreiben. Die ersten Junghunde werden inzwischen auch schon erfolgreich geführt. Abschließend möchte ich mich bei der OG Nienborg/Heek für die Trainingsmöglichkeit und meinem Helfer Stefan Volbert für seine tolle Arbeit bedanken. Auf ein Neues in 2012!

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